Mobbing ist pure Gewalt

Mobbing ist pure Gewalt, die jeden,unabhängig von der prämorbiden Persönlichkeit, treffen kann.
(Dr. med. Argeo Bämayr, Dt Ärztebl 2001; 98: A 1811–1813 [Heft 27])

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Zigtausend Tote in Deutschland – und niemanden kümmert’s

Publikationen des Statistischen Bundesamts weisen für die Jahre 2000 bis 2014

154.101

Suizid-Tote in Deutschland aus (neuere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht).

Jeder vierte bis fünfte Freitod
wird auf Mobbing zurückgeführt!

Das ergibt für den vorgenannten Zeitraum etwa

34.245

Suizid-Tote durch Mobbing.

Bereits im Jahre 2000 wurde laut Tätigkeitsbericht des Petitionsausschusses (Seite 17/18) eine Petition abgelehnt, die eine strafrechtliche Verfolgung von Mobbing forderte. Begründung: es gebe bereits zahlreiche Möglichkeiten, rechtlich gegen Mobbing vorzugehen (– soweit die Theorie…)

34245Das ist nicht einfach eine Zahl.
DAS   SIND   MENSCHEN!
Menschen, die seit Ablehnung der Petition im Jahre 2000
aus purer Verzweiflung ihrem Leben
‚freiwillig’ ein Ende setzten!

Zurück bleiben völlig schockierte Angehörige, die den Rest ihres Lebens mit der Frage leben müssen, warum hat niemand geholfen…


Bis heute wird jede weitere Forderung nach einem wirksamen Anti-Mobbing-Gesetz – trotz massiver Zunahme von Mobbing-Fällen – in standardisierten Schreiben mit wörtlich denselben Hinweisen wie schon im Jahre 2000 abgelehnt.

Angesichts der schwerwiegenden Folgen von Mobbing ist es mir unbegreiflich, dass von etwa 80 Millionen Menschen in Deutschland bisher nur eine derart überschaubare Zahl ihre Unterschrift unter die

‚Forderung zur Schaffung einer eigenen Strafrechtsnorm ‚Mobbing’ […] zur Sanktionierung von Mobbing als Form psychischer Gewalt’

gesetzt hat. Es geht tatsächlich einfach nur um eine Unterschrifteine winzige Geste, die Opfern einer besonders perfiden Form von Gewalt zu ihrem Recht verhelfen soll…

Zigtausend Tote in Deutschland…
…und niemanden kümmert’s!


SuizideAm 10. September ist Welttag der Suizidprävention…

Suizide in Deutschland: 2000: 11.065, 2001: 11.156, 2002: 11.163, 2003: 11.150, 2004: 10.733, 2005: 10.260, 2006: 9.765, 2007: 9.402, 2008: 9.451, 2009: 9.616, 2010: 10.021, 2011: 10.144, 2012: 9.890, 2013: 10.076, 2014: 10.209 (Quelle: Statischtisches Bundesamt)

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Das kann ich mir nicht vorstellen…

Versucht ein Mobbing-Opfer – ein Opfer massiver psychischer Gewalt – Hilfe zu bekommen und erzählt einem so genannten ‚Unbeteiligten’, was ihm ständig widerfährt… erhält es bevorzugt die platte Antwort:

„Ach! Das kann ich mir gar nicht vorstellen…“

soll heißen: ‚Das kann ja gar nicht sein!’. Neben all den guten Ratschlägen, auf die ich in der Reihe Das ‚richtige’ Verhalten eines Mobbing-Opfers (Lektion 1 bis 4, nebst Fazit und Kommentar) bereits ausgiebig eingegangen bin, ist dies wohl die häufigste Reaktion, die ein Mobbing-Opfer im Laufe seiner Odyssee erfährt.

Merkwürdig‚Unbeteiligte’, Wegseher – im Klartext: Möglichmacher (!)können sich nicht vorstellen, dass ein ‚Mensch’ einen derart krankhaften Geltungswahn in sich trägt, dass er einen unbegrenzten Einfallsreichtum entwickelt, dem Opfer nach allen Regeln der Kunst zu schaden. Schon den Gedanken, dass ein Mobber dem Opfer gegenüber grenzenlos hinterhältig, verlogen, aggressiv, – in jeder nur möglichen Weise verletzend und zerstörerisch – agiert, lehnen jene, die um Hilfe gebeten werden, in der Regel rigoros ab.

Nun – es gibt so einiges, das ich mir nicht vorstellen kann:
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass junge Frauen aus falsch verstandener ‚Ehre’ von der eigenen Familie ermordet werden, weil sie es gewagt haben, sich in den ‚Falschen’ zu verlieben…
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Mütter gibt, die aus religiösem Wahn heraus ihre Töchter auf brutalste Weise genital-verstümmeln lassen…
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Eltern gibt, die ihr ungewolltes Kind in einer Mülltüte entsorgen…
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Frauen gibt, die derart hungrig nach Anerkennung sind, dass sie ihr eigenes Kind vorsätzlich lebensgefährlich schädigen, um sich durch ihre eigene ‚Erste-Hilfe-Leistung’ zu profilieren (Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom)…
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Männer gibt, die sich an Kindern – sogar an Babies (!) – vergehen…
– Ich kann mir nicht vorstellen, dass es solche Männer gibt, die über viele, viele Jahre die eigene Tochter missbrauchen, mit ihr Babies zeugen…

Oh ja! All das – und noch viel mehr – kann ich mir nicht vorstellen! Mir wird übel, wenn ich nur daran denke. Und doch liest und hört man davon immer und immer wieder in den Medien…

Und bei all diesen ekelhaften Fakten, die immer wieder bekannt werden, können sich ‚Menschen’, von denen verzweifelte Mobbing-Opfer dringend Hilfe erwarten, die krankhafte Verhaltensweise des Täters/der Täter nicht vorstellen?

„Ach! Das kann ich mir gar nicht vorstellen…“, ist doch – analytisch betrachtet – nichts anderes als eine äußerst bequeme Ausrede für unterlassene Hilfeleistung, hervorragend geeignet, das eigene Gewissen zu beruhigen – und gleichzeitig dem Opfer zu suggerieren, dass ja alles nur ein Missverständnis sein kann…

gleichgültigManchmal möchte man solchen Ignoranten wünschen,
dass sie diese hässliche Erfahrung am eigenen Leibe machen…

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Das ist doch schon so lange her…

Rose Kennedy„Das ist doch schon so lange her!“ – einer der beliebtesten Standardsätze von Wegsehern. Unglaublich geeignet, das eigene Gewissen zu beruhigen. Wegsehen ist ja so einfach…

Das Ende meiner Mobbing-Tortur – meine ‚Hinrichtung’ im KKI Essen – liegt nun schon gut 7 Jahre zurück. Geht es mir deswegen jetzt wieder gut?

Ich muss oft an meinen Großvater denken, der mit etwa 30 Jahren im Krieg ein Bein verlor. Ich kenne ihn nur mit seinem durch die Prothese für ihn typischen Gang – bedächtig, etwas ungleichmäßig, mit Gehstock. Manchmal schlug er mit der Faust auf seinen Oberschenkel: er hatte Schmerzen. Er hatte Schmerzen in den Körperteilen – Unterschenkel und Fuß –, die er verloren hatte…
Mein Großvater wurde 84 Jahre alt. Bis an sein Lebensende hatte er diesen speziellen Gang – bis an sein Lebensende hatte er immer wieder Schmerzen, Schmerzen in Körperteilen, die gar nicht mehr da waren.

Warum eigentlich? Das war doch schon so lange her!

Jetzt höre ich schon die Schlaumeier, die sagen: „Das ist doch etwas ganz anderes. Das kannst du doch nicht vergleichen.“

Und warum kann ich das nicht vergleichen?

Der Mensch, der ich war – diese ansteckend fröhliche, fast unkaputtbare Person – wurde nach monatelanger Hetzjagd unter Beifall von ‚Freunden’ und ‚Kameraden’ im KKI KanuKlub Industrie Essen ‚hingerichtet’.

Der Mensch, der ich war, ist tot!
Dabei ist es ganz egal, wie lange es her ist.

Die ich heute bin, ist eine ganz andere Person. Die ich heute bin, lacht auch mal. Natürlich – was denn sonst? Aber in meinem tiefsten Innern bin ich unendlich traurig – so traurig, dass ich an einem wundervollen Frühlingstag wie heute gegen depressive Stimmungen kämpfen muss, dass ich mich am liebsten verkriechen würde – vor der Sonne, vor fröhlichen Menschen, vor Erinnerungen. Ein täglicher Kampf, der mal leichter und mal schwerer fällt – begleitet von Übelkeit, Sodbrennen…

Die ich heute bin, trägt ganz tief in sich drin eine solche Trauer – eine Form von Trauer, die mein früheres Ich einfach gar nicht gekannt hat – eine Trauer über grenzenlose Feigheit derer, die so gern ihr Gewissen beruhigen mit den Worten: „Das ist doch schon so lange her!“

Stress-durch-Menschen Das Schweigen unserer Freunde Eine Wunde kumulierendeWirkung

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