Wiederholte Forderung eines wirksamen Anti-Mobbing-Gesetzes

Wer selbst einmal zum Opfer wurde, kann sie nachvollziehen, diese totale Hilflosigkeit. Die grenzenlose Hilflosigkeit einer perfiden Form von Gewalt gegenüber zu stehen, die von der Gesellschaft gern verniedlicht und häufig noch belächelt wird.

Nach der Veröffentlichung meiner eigenen Erfahrung mit detaillierten Schilderungen der widerwärtigen Verhaltensmuster, der besonderen Hinterhältigkeit und auch Feigheit der Täter nahmen zahlreiche andere Opfer Kontakt zu mir auf. Und sie alle stehen hilflos vor einer Erfahrung massiver psychischer Gewalt, gegen die es in Deutschland kein Gesetz gibt: Mobbing!

Die Opfer: Menschen, die systematisch fertig gemacht werden oder wurden. Weil sie anders sind? Weil sie erfolgreich sind? Oder einfach ‚nur so’, weil der Täter es kann und Spaß daran hat?
Sie durchforsten das Internet, suchen nach Rat. Sie finden irgendwelche Broschüren, Ratgeber mit theoretischen Tipps, die vorwiegend kostenpflichtig, in der Praxis aber nur in den seltensten Fällen wirksam anzuwenden sind.
Sie gründen Selbsthilfegruppen, versammeln sich in Foren, rufen dort um Hilfe… – und bekommen doch fast immer nur die Antwort: „Dagegen kannst du nichts machen. Such dein Heil in der Flucht!“
Sie müssen sich sogar sagen lassen, sie seien schließlich selbst (mit) schuld. So formulieren sogar ‚Fachleute’.

Bin ich jetzt schuld, weil ich was kann?

Viele der Opfer erkranken. Nachhaltig. Nicht nur psychische, nein auch physische Folgen hat dieses kranke Treiben. Manch einer flüchtet sogar in den Suizid…
Ein Gesetz dagegen gibt es nicht. Die hiesige Staatsanwaltschaft teilte mir dies mit.

„Warum nicht?“, hab ich mich gefragt und mich einfach mal dorthin gewandt, wo man für Recht und Gesetz in Deutschland zuständig ist: an das Bundesministerium der Justiz.

In einem ersten offenen Brief (http://www.ilia-faye.de/pdf/OffenerBrief.pdf) habe ich am 16. September dieses Jahres im Ministerium nachgefragt, warum man sich in Deutschland so hartnäckig weigert, diesem Problem mit einem wirksamen Gesetz zu begegnen.
Ich erhielt sogar eine Antwort. Schon am 5. Oktober klärte man mich schriftlich auf, dass es ja jede Menge Möglichkeiten für die Opfer gibt, sich zu wehren. Ich bekam einen höflichen Standardbrief mit Formulierungen, die auf einem Tätigkeitsbericht aus dem Jahre 2000 basieren. Wie fortschrittlich!

Na prima. Und warum wurden meine konkreten Fragen dann nicht beantwortet? Ich hatte doch ganz konkrete Fragen bezüglich relevanter Verjährungsfristen zum Beispiel, die Frage nach der Unvereinbarkeit von Mobbing mit dem Grundgesetz, nach Definitionen etc.

Gut. Schreib ich eben noch mal. So geschehen am 1. Dezember 2010 in einem weiteren offenen Brief (http://www.ilia-faye.de/pdf/OB2BJM.pdf):
‚[…] Es ist interessant festzustellen, dass Schreiben wie meines vom 16. September 2010 mit einer standardisierten Antwort ‚erledigt’ werden (vgl. Schreiben Brigitte Zypries vom 8. September 2005 an die BAG gegen Mobbing, Berlin). Die Tatsache, dass es zur ‚Bearbeitung’ der Forderung eines wirksamen Anti-Mobbing-Gesetzes ein standardisiertes Schreiben gibt, ist wohl ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese Forderung des Öfteren an Sie gerichtet wird. Auch zeugt es von der Beharrlichkeit, mit der sich Ihr Ministerium mit dem Thema Mobbing anscheinend nicht auseinandersetzt […].’

Beide offenen Briefe sowie die Stellungnahmen des Bundesministeriums und einiger namhafter Politiker sind komplett auf meiner website und in meinem Blog veröffentlicht.

Und ich kämpfe weiter!

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Morgens 8 Uhr beim Discounter

7 Uhr 40: Ich setze meine Kinder vor der Schule ab. Heut gibt’s beim Discounter um die Ecke wieder mal ein Sonderangebot, das mich interessiert. Nach Hause fahren lohnt nicht mehr, ich starte direkt durch.

7 Uhr 45: Erst mal das Auto parken. Ist ja noch Zeit. Der Discounter öffnet erst um acht. Ein Blick hinüber zum Eingang des Ladens: Oh! Da stehen schon fünf oder sechs Kunden und warten. Na sicher haben die auch grad ihre Kinder abgesetzt – oder warum sind die so früh schon da? Ich stelle mich ordentlich hinten an.

7 Uhr 50: Inzwischen hat sich eine richtige Traube vorm Eingang gebildet. Mindestens 15 Leute. Hab ich was verpasst? Gibt’s heut was umsonst? Ich blättre nochmals die Werbung mit den heutigen Angeboten. Nein. Zu verschenken ist hier heute nichts.

7 Uhr 55: Die Zahl der Wartenden hat sich locker verdoppelt. Vielleicht sind es auch bereits 40 oder 45 Kunden, die alle gespannt auf die noch verschlossene Glastür blicken. Alles steht in den Startlöchern, scharrt ungeduldig mit den Füßen. Alle versuchen, möglichst uninteressiert auszusehen, dann aber doch der ein oder andere nervöse Blick auf die Uhr…

Mir fallen andere Tage ein, an denen ich auch schon hier stand. Da war der Tag, an dem ein verspätetes Pärchen sein Töchterchen nach vorn an die Front stieß. Frei nach dem Motto: unser Kind wird ja wohl niemand zur Seite stoßen, da können wir von ganz hinten das Feld aufziehen. Und wie diese Leute dann schimpften – wie die Rohrspatzen – weil ich ihr Töchterchen dezent zur Seite schob, nachdem ich fast drüber gefallen wäre, als die Tür sich öffnete und von hinten alle hinein drängten.

Bei anderer Gelegenheit die vornehm gekleidete ‚Dame’, die von ganz hinten plötzlich und unvermittelt einen ersten Platz vor der noch verschlossenen Glastür erstürmte, um dort intensiv die Öffnungszeiten zu studieren. Natürlich völlig desinteressiert an irgendwelchen Sonderposten. Solange jedenfalls, bis die Tür entriegelt wurde. In dem Moment waren die Öffnungszeiten völlig uninteressant und nach einem Spurt warf sich die nun gar nicht mehr vornehme ‚Dame’ regelrecht über einen der angebotenen Tiefkühlschränke, während ihr Mann aus hinterster Reihe mit dem Einkaufswagen nachrückte.

Ein weiteres Erlebnis war die Oma, die mir, weil ich nach Türöffnung einen der vorderen Plätze bei der Ware hatte, ihren Stockschirm in den Rücken stieß, oder die junge Frau, die in Badeschläppchen durch den Laden rannte und in ihrer grenzenlosen Gier fast einen Spagat hinlegte, oder diese Schnepfe damals, die mir Ware aus den Händen riss.
Und was ich da schon an Schimpfworten gehört habe…

8 Uhr: Die Türen öffnen sich. Ich war ja bei den Ersten heute, bin ziemlich vorn. Da liegt der heiß begehrte Sonderposten: Winterschuhe: etwa acht Paar, höchstens zehn. Bisschen wenig für so viele Kunden.
Was jetzt folgt erinnert mich fast schon zwanghaft an Reinhard Mey: „zunächst regiert noch die Hinterlist, doch bald schon brutale Gewalt…“.
Keine zwei Minuten später ist das Fach mit den Schuhen leer.

Morgens 8 Uhr beim Discounter. Immer wieder ein Erlebnis. Heute verlasse ich das Schlachtfeld mit einem Lächeln. Das eine Paar Schuhe, das ich für mein Kind brauchte, habe ich ergattert. Ohne schubsen oder vordrängeln. Ohne ein hilfloses Kind in die Arena zu stoßen – und ohne die Hilfe eines Stockschirms. Gut, dass ich so früh da war.

Vielleicht gehe ich nächstes mal wieder hin. Nicht um zu kaufen, nur als Zuschauer. Das ist besser als Kino – und bedeutend billiger. Ist ja schließlich ein Discounter :-).

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Stell dir vor, es ist Krieg…

Stell dir vor, du bist langjähriges Mitglied eines Vereins. Stell dir vor, du bist dort allseits sehr beliebt und fühlst dich sauwohl – dein zweites Zuhause. Stell dir vor, du lässt dich zur Übernahme eines Ehrenamtes überreden: des Vertrauenspostens ‚Kassenwart’.

Stell dir vor, du engagierst dich auch dabei – wie schon jahrelang zuvor – sehr erfolgreich für deinen Verein. Stell dir vor, dein Erfolg ist einem weniger gesegneten Vereinsmitglied ein Dorn im Auge. Stell dir vor, dieses Mitglied sinnt nach einer Möglichkeit, dich zu ‚beseitigen’.

Stell dir vor, dieses Vereinsmitglied bringt unerkannt den heimlichen Diktator des Vereines in Misskredit, der nun dafür einen Schuldigen sucht, um Rache zu üben. Stell dir vor, du bist beiden im Wege – nicht obwohl, sondern WEIL du deinen Vertrauensposten im Sinne der Mitglieder erfüllst. Stell dir vor, die beiden schließen sich zusammen und zwingen dich zum Rücktritt – zum ‚Wohle des Vereins’!

Stell dir vor, dein Rücktritt reicht beiden nicht und sie starten eine Hetzkampagne gegen dich. Stell dir vor, du wirst wieder und wieder gepiesackt und schikaniert. Stell dir vor, nach und nach wenden sich immer mehr ‚Kameraden’ von dir ab. Stell dir vor, du musst wehrlos mit ansehen, wie sogar deine Kinder immer weiter schamlos ins Geschehen hineingezogen werden.

MedailleUnd jetzt stell dir vor, du widerstehst diesen zahllosen hinterhältigen Attacken und erringst allen Widerständen zum Trotze die Vereinsmeisterschaft. Stell dir vor, du freust dich so sehr über deine Leistung, dass du es schaffst, selbst deinen Widersachern fröhlich ins Gesicht zu lächeln. Stell dir vor: Genau DAS ist dein Todesurteil!

Stell dir vor: Jetzt ist endgültig Krieg und alle machen mit – obwohl keiner weiß, warum…

„Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen…“ war – im übertragenen Sinne – die Botschaft der Aggressoren an das ‚Volk’ – und alles schrie „Hurra!“. So geschehen im Jahre 2009 in einem Kanuklub an der Ruhr. Das Ganze nennt sich ‚Mobbing’ und ist kein Einzelfall.

Die hohe Gewaltbereitschaft der Täter offenbarte sich ein weiteres mal, als aus diesem Kreise nach Veröffentlichung der Geschehnisse in einem Buch Droh-Emails verschickt wurden, was wiederum Staatsanwaltschaft und Kripo auf den Plan rief.
Dabei sollte dieses Buch doch nur schildern, wie es sich anfühlt, von so genannten ‚Kameraden’ Stück für Stück gnadenlos fertiggemacht zu werden – und keiner hilft. Eine Botschaft an all jene, die monatelang untätig zusahen – die Möglichmacher. Bei Mobbing gibt es keine Unbeteiligten.

Was bis dato landläufig unter dem harmlosen Begriff der Vereinsmeierei bekannt war, hat längst begonnen einer perfiden Form von Gewalt zu weichen: dem Mobbing. Und da gibt es doch immer noch die zahllosen offenbar Blinden oder Gehörlosen, die Schultern zuckend sagen: „Ach ja, solche Konflikte gibt’s doch überall.“

Konflikte: ja, die gibt’s – aber solche und überall: nein. Noch nicht! Gott sei Dank! Aber es nimmt zu. Schleichend. Wie sollte es anders sein, da doch dieses unbequeme Thema am liebsten totgeschwiegen wird.

Noch immer scheint es einfacher, den Boten zu töten, als dem Aggressor wirksam entgegenzutreten. Selbst die zuständigen Sportverbände unterstützten diese Täter, indem sie wider besseren Wissens diesen Verein als besonders empfehlenswert auszeichneten. Was soll man dazu noch sagen?

„Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen…“ – und die Gesellschaft hat nichts dazugelernt.

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Mobbing – Irrtümer und Wahrheiten eines sozial- und gesellschaftspolitischen Problems

Der Begriff ‚Mobbing’ ist in den vergangenen Jahren mehr oder weniger selbstverständlich in unseren Sprachgebrauch aufgenommen worden. Täglich liest oder hört man darüber. Neben vielen Fakten, die veröffentlicht werden, ranken sich aber auch zahlreiche Irrtümer, Halbwahrheiten oder Fehlinformationen um dieses Thema.

So wird gern bei einem einzelnen Vorfall vorschnell von Mobbing gesprochen. Zwar kann ein einzelner Vorfall Bestandteil von Mobbing sein, jedoch bezieht sich die Definition ‚Mobbing’ immer auf einen länger andauernden Prozess mit wiederkehrendem Verhaltensmuster des/der Täter/s.

Auch wird bei dem Begriff ‚Mobbing’ in erster Linie ein direkter Bezug zum Arbeitsplatz oder zur Schule hergestellt, da hierüber besonders häufig berichtet wird. Dessen ungeachtet wird in allen Bereichen gesellschaftlichen Miteinanders gleichermaßen gemobbt: in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein zum Beispiel.

Jeder SchwerstverbrecherEin weit verbreiteter Irrtum ist der, dass ‚Mobbing’ strafbar ist. Mobbing ist bisher im deutschen Strafrecht nicht definiert und kann daher gar nicht zur Anzeige gebracht werden. Nichtsdestotrotz soll es Einzelfälle geben, in denen Mobbing-Handlungen zum Beispiel als üble Nachrede/Verleumdung, Nötigung oder Körperverletzung geahndet wurden. Dem überwiegenden Teil der Mobbing-Opfer jedoch stehen kaum wirksame Rechtsmittel zur Verfügung.

Außerordentlich leicht fällt es auch immer, dem Opfer mindestens eine Mitschuld, wenn nicht gar die alleinige Verantwortung für das Mobbing zuzuweisen. In Wahrheit jedoch befinden sich Mobbing-Opfer immer in einer Situation, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommen können. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob das Opfer die Mobbing-Handlungen ignoriert, ob es sich wehrt, ob es versucht, Hilfe zu bekommen oder auch eine Klärung durch ein ‚vernünftiges Gespräch’ erzielen will.

GewaltEine immer wieder unterschätzte aber besonders wichtige Rolle spielen bei Mobbing die so genannten Neutralen, die Unbeteiligten – ein besserer Begriff hierfür ist wohl die ‚Möglichmacher’. Diejenigen, die sich nach bestem Vermögen aus dem Geschehen direkt um sie herum heraushalten und die durch ihre Untätigkeit Mobbing erst ermöglichen. Ohne das ‚Wegsehen’ dieser ‚Unbeteiligten’ könnte das Mobbing für den/die Täter nicht zum Erfolg führen.

Wie hinterhältig, systematisch und strategisch Mobber vorgehen, wie einfach es ist, in einer vermeintlich aufgeklärten, zivilisierten Gesellschaft den sozialen Tod eines Mitmenschen herbeizuführen, wie schnell man sich selbst unwissentlich zum Mittäter macht, wie wichtig das Verhalten des Umfeldes ist, welch entscheidende Rolle Gruppendynamik spielt und wie wehrlos das Opfer tatsächlich dasteht, beschreibt sehr detailliert das Buch ‚Vereinsmeierei …und andere Schweinereien’.
Eine authentische Erzählung über Mobbing im Verein, die lebensnahe Schilderung einer Situation, in die jeder geraten kann und unverblümte Aufklärung über eine nahezu alltägliche, aber besonders perfide Form von Gewalt.

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