Das ‚richtige’ Verhalten eines Mobbing-Opfers – Lektion 4

Plakat Suizide1Was kann ein Mobbing-Opfer tun, um seine Situation zu verbessern? In den bisherigen Lektionen wurde deutlich, dass sowohl das schweigende Opfer als auch jenes, das ein Gespräch mit dem Täter sucht, ebenso scheitern, wie das zurückhaltende Opfer, das zaghaft um Hilfe ruft. So richtet sich in dieser Lektion der Blick auf den Opfer-Typ, der laut und vernehmlich um Hilfe ruft und dabei den Mut findet, seine aktuelle – irgendwie bizarre – Situation in deutliche Worte zu fassen.

Erhält dieses Opfer im fortgeschrittenen Stadium des Mobbings die seltene Gelegenheit – eine Rarität –, sich über die inzwischen an Bosheit kaum zu übertreffenden Attacken des Mobbers zu äußern, so ist die übliche, fast schon empörte Reaktion: „Das glaube ich nicht!“ – „Das kann ich mir nicht vorstellen!“ – „Das musst du falsch verstanden haben!“ – „Das kann doch gar nicht sein!“.

Der ein oder andere Zuhörer gibt dennoch ganz mutig den guten Rat: „Na, dann wehr dich doch!“

Nun treffen zwei Dinge aufeinander:
1. Das soziale Umfeld des Opfers – durch die sehr geschickten Darstellungen des ‚unschuldigen’ Mobbers längst ‚geimpft’ – beobachtet mit Argusaugen, was denn das Opfer so treibt, ob nicht doch was dran ist, an den Behauptungen des Täters…
2. Die Nerven des Opfers liegen inzwischen blank…

Besonnenheit, Vernunft, gut überlegtes Handeln – damit ist das inzwischen völlig verzweifelte Opfer in seiner psychischen Zwangslage und zutiefst empfundenen Hilflosigkeit längst überfordert. Selbst ein niedliches kleines Schmusekätzchen fährt irgendwann die Krallen aus, wenn es nur oft genug getreten wird. Das Opfer reagiert auf irgendeine vermeintliche ‚Kleinigkeit’ heftig, macht sich vielleicht einfach mal ‚Luft’, wehrt sich – und wird kurzum als boshaft und aggressiv empfunden.

‚Das ist doch kein Opfer! Der Täter hat doch völlig Recht!’

Spätestens jetzt zieht sich der feige Zuhörer, der in vollem Umfang erkennt, was sich da direkt vor seiner Nase abspielt, mehr oder weniger aggressiv aus der Verantwortung: „Damit will ich nichts zu tun haben!“ – „Davon will ich nichts wissen!“ – „Dafür bin ich nicht zuständig!“ – „Zieh mich in nichts rein!“ – „Halt mich bloß da raus!“…

Endlich ist das Opfer zum Abschuss freigegeben. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Situation eskaliert.

Und natürlich sind sich dann alle, die diesen Psychoterror seelenruhig und untätig von außen beobachtet haben, unter zustimmendem Nicken irgendwelcher ‚Fachleute’, einig: Natürlich hätte das Opfer die erlittenen Bosheiten niemandem erzählen dürfen – das erzeugt schließlich vermeidbare Spannungen. Häufig wird dem Opfer Überempfindlichkeit vorgeworfen oder negative Energie. Womöglich hat das Opfer noch dieses Reizwort ‚Mobbing’ in den Mund genommen. Selbst Schuld, das Opfer!
Viel besser hätte es doch wohl Deeskalation betreiben sollen – vielleicht mal ein vernünftiges Gespräch mit dem Täter führen…
…etwa so, wie in Lektion 2 dargestellt? Ein Kreis schließt sich…

…mein persönlicher Kommentar
zu dieser kleinen Reihe von ‚Lektionen’
in Kürze hier an gleicher Stelle…

Veröffentlicht unter Kampf gegen Mobbing | 1 Kommentar

Internationaler Tag des Sports für Entwicklung und Frieden

Ethik-im-SportAm 23. August 2013 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen einen jährlich wiederkehrenden Internationalen Tag des Sports für Entwicklung und Frieden. Gewählt wurde hierfür der 6. April – mit Rückblick auf den 6. April 1896, an dem die ersten Olympischen Sommerspiele der Neuzeit eröffnet wurden.

Dieser Gedenktag soll besonders die sozialen Werte des Sports, wie Teamgeist, Fairness, Disziplin und Respekt für den Gegner unterstreichen. In diesem Sinne ruft das Büro der Vereinten Nationen für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden dazu auf, Sport auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene als Werkzeug für Toleranz, Verständnis und sozialen Zusammenhalt zu nutzen.

Angesichts zahlreicher Mobbing-Vorwürfe im Bereich des Sports – krasser Gegensatz zur Zielsetzung dieses internationalen Gedenktages – wurden
– der Deutsche Olympische Sportbund
– und Bundesinnenminister de Maizière
in offenen Briefen, sowie der Sportausschuss des Deutschen Bundestages per Email aufgefordert, anlässlich dieses besonderen Tages Mobbing im Sport aktiv zu bekämpfen.

Veröffentlicht unter Kampf gegen Mobbing | 2 Kommentare

Das ‚richtige’ Verhalten eines Mobbing-Opfers – Lektion 3

HilferufeWas kann ein Mobbing-Opfer tun, um seine Situation zu verbessern? Die ersten zwei Lektionen haben erläutert, dass weder das schweigende Opfer noch jenes, das ein Gespräch – eine Klärung – mit dem Täter sucht, in diesem Bemühen sonderlich erfolgreich wären. Die sicher bessere Variante der Kommunikation wählt der ‚Hilfe suchende’ Typ. Er spricht sein direktes Umfeld auf die zunehmenden Attacken des Mobbers an, erwartet Unterstützung.

Glück für das Opfer bedeutet es bereits, wenn überhaupt jemand zuhört, denn im Normalfall wendet sich der Angesprochene schnellstmöglich uninteressiert ab. Ein solch ‚hässliches’ Thema passt nicht in eine Gesellschaft, die bevorzugt über das neue Auto oder den exklusiven Urlaub kommuniziert.
Findet sich tatsächlich ein offenes Ohr, beginnt der zurückhaltende Opfer-Typ gewöhnlich zaghaft über die Anfänge des Mobbings zu berichten. Diese sind in der Regel eher harmlos zu nennen – schleichende, kontinuierliche Steigerung ist bei Mobbing Programm.

Mit folgenden Reaktionen muss dieser Opfer-Typ rechnen:

Variante 1: mit wohlwollendem Lächeln rät der leichtfertige Zuhörer: „Da steht man doch wohl drüber. Das musst du einfach ignorieren!“
Einfach ignorieren, nichts tun…
…upps: wurde nicht gerade das in Lektion 1 als Fehler definiert? Ein Kreis schließt sich.

Variante 2: sehr beliebt ist auch der gute Rat: „Da musst du einfach besonders freundlich sein. Lächle den Mobber an, dann ärgert er sich und hört auf…“.

In Mobbing-Studien – in erster Linie bei Schülern – hat man festgestellt, dass viele Opfer ‚mitspielten’, sprich: ‚gute Miene zum bösen Spiel’ machten, um die eigene Verletztheit nicht preiszugeben und sich dadurch womöglich weiterem Spott auszusetzen. Sie gaben vor, sich zu amüsieren, lachten…
Hörte das Mobbing dann auf? Eher nicht: wie schon erwähnt: schleichende, kontinuierliche Steigerung ist bei Mobbing Programm. Irgendwann schließlich ist das Opfer jedoch mit den ständigen Attacken überfordert, die Situation eskaliert…
…und jetzt ‚wissen’ alle ganz genau: das Opfer hätte doch nur mal etwas sagen müssen…

Variante 3: etwas zerknautscht reagiert der Zuhörer, der durchaus die Situation begreift und – statt einzuschreiten – ruck zuck mit dem Ausdruck tiefsten Mitgefühls sein Gewissen beruhigt: „Es tut mir ja alles so leid für dich!“ – Hilfe erfolgt auch durch diesen ‚Unbeteiligten’ nicht…

…und das Mobbing geht weiter: endlose, kontinuierliche Steigerung irgendwelcher Schikanen…

…und später sind sich alle, die diesen Psychoterror seelenruhig und untätig von außen beobachtet haben, unter zustimmendem Nicken irgendwelcher ‚Fachleute’, einig: „Zum Mobbing gehören immer zwei!“ Ganz sicher ist das Opfer selbst schuld. Irgendeinen Grund wird es dem Täter geliefert haben.
Zwar ist dieser imaginäre Grund nicht bekannt – es fragt auch niemand so genau danach –, aber es muss ihn geben, denn sonst wäre sicher nichts passiert…

Möglicherweise gerät nun der eine oder andere ‚Ratgeber’ ins Nachdenken. Wie es dem Mobbing-Opfer ergeht, das, im Gegensatz zum hier beschriebenen – zurückhaltenden – Typ, dem zumeist unfreiwilligen Zuhörer mit klaren Worten seine quälenden Erlebnisse deutlich schildert – quasi ‚mit der Tür ins Haus fällt’ –, das folgt in Lektion 4.

…in Kürze hier an gleicher Stelle…

Veröffentlicht unter Kampf gegen Mobbing | 1 Kommentar

Das ‚richtige’ Verhalten eines Mobbing-Opfers – Lektion 2

Mobbing-Suizide1Was kann ein Mobbing-Opfer tun, um seine Situation zu verbessern? In Lektion 1 wurde offenbart, dass ein Opfer, das sein tiefstes Inneres – seine Empfindungen, Probleme, Sorgen oder Belastungen – nicht offen zur Schau trägt, ein Kommunikationsproblem hat und folglich an seiner Mobbing-Tortur selbst schuld ist. Diese weise Erkenntnis ist Anlass genug, mal einen Blick auf den eher ‚redseligen’ Typ zu werfen. Der spricht den Mobber auf sein Handeln an: der eine ruhig und sachlich, der andere eher aufbrausend – menschlich eben.

Die Reaktionen des Mobbers auf ein offenes Gespräch können sehr unterschiedlich ausfallen. Der eine kullert ‚betroffen’ die Augen und beteuert, dass er sich doch gar nichts Böses gedacht hat, ringt sich vielleicht sogar eine Entschuldigung ab – die sich sofort relativiert, wenn sein Verhalten nach dieser Aussprache noch deutlich nickeliger wird als zuvor.

Der nächste erklärt seinen Gesprächspartner für ‚paranoid’ – alles nur Einbildung – und hat dabei schon ein verräterisch zufriedenes Funkeln im machtgeilen Blick, denn der Mobber erkennt, dass seine boshaften Attacken langsam aber sicher die gewünschte Wirkung erzielen.

Eine weitere Variante ist die direkte – und unmissverständliche – Ansage des Mobbers: ‚Dich krieg ich auch noch klein…’ oder ‚Wenn du dich mit mir anlegst, wirst du verlieren!’ – letztere Reaktionen finden sich selbstredend bevorzugt in Vier-Augen-Gesprächen…

Auch hier sind sich später alle, die diesen Psychoterror seelenruhig und untätig von außen beobachtet haben, unter zustimmendem Nicken irgendwelcher ‚Fachleute’, einig: ,Was der Gemobbte gesagt hat war falsch, wie er es gesagt hat war falsch, wann er es gesagt hat war falsch…
Fazit: eigentlich ist er doch selbst schuld – hätte er doch besser mal den Mund gehalten!

Der aufmerksame Leser hat nach der Lektüre dieser ersten zwei Lektionen nun möglicherweise eine Art Déjà-vu – und darf auf Lektion 3 gespannt sein.

…in Kürze hier an gleicher Stelle…

Veröffentlicht unter Kampf gegen Mobbing | 2 Kommentare