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‚Gute’ Ratschläge für Mobbing-Opfer
„Das musst Du einfach ignorieren.“ haben viele gesagt…
Warum nehmen sich so viele – vor allem junge – Menschen das Leben, weil z. B. im Internet steht: ‚XY ist eine fette Schlampe’? Das kann man doch einfach ignorieren…
Mobbing-Attacken zu ignorieren hilft in keiner Weise. Der Mobber braucht das Erfolgserlebnis, das Machtgefühl – so dringend wie ein Suchtkranker sein Suchtmittel – zur Stärkung seines eigenen Egos und hört infolge dessen nicht eher auf, bis er eine Reaktion beim Opfer erzeugt und ggf. die Anerkennung seiner ‚Anhänger’ erfahren hat.
Und weil’s so schön ist, übt der Mobber sich anschließend in einer TV-verdächtigen Anzahl von Wiederholungen – Steigerungen inklusive.
Aber natürlich: „Das musst Du einfach ignorieren…“
„Ach, solche Konflikte gibt’s doch überall!“ sagen immer wieder die Neunmalklugen, die keine Ahnung haben, was ‚Mobbing’ eigentlich heißt, sich allen näheren Erklärungen schon mal per se verschließen und von mir erwarten, dass ich diese perfide Form von Gewalt einfach vergesse…
Gras drüber, Teppich drüber – wie hätten Sie’s denn gern: ‚geschnitten oder am Stück’?
„Sie müssen diese Leute anlächeln. Sie müssen denen besonders freundlich begegnen!“ ist eine weitere Reaktion, die ich sehr oft erfahren habe. Würden solche Ratgeber auch dem Opfer einer ‚richtigen’ Vergewaltigung – also einer Vergewaltigung im herkömmlichen Sinne – sagen: „Du musst den Kerl anlächeln. Sei einfach besonders freundlich zu dem, der Dir Gewalt angetan hat…“
Niemand (!) würde es wagen, dem Opfer einer physischen Vergewaltigung einen solch dämlichen Ratschlag zu erteilen. Aber ein Mobbing-Opfer – ach, was ist schon Mobbing…
„Wehr Dich!“ haben wieder andere gesagt, „Das kannst Du Dir doch nicht gefallen lassen!“. Das habe ich getan, ich habe mich gewehrt – David gegen Goliath…
Hilfe? Woher? „Seid nicht feige Leute, lasst mich hintern Baum!“ war die allgemeine Haltung dieser wohlmeinenden ‚Berater’, die aus sicherem Abstand heraus mutig beobachteten, wie ich – aller Gegenwehr und allen verzweifelten Hilferufen zum Trotz – Stück für Stück fertiggemacht wurde. ‚Gute Kameraden’…
„Versuchen Sie nicht, die Ursachen für das Mobbing zu ergründen. Das geht nicht.“ ist ein ebensolcher Quatsch. Ich habe genau aufgeschlüsselt, warum wer was getan hat. Und in zahlreichen weiteren Fällen ist das genauso möglich. Wo Neid und Missgunst sinnlos wüten…
Ich könnte zahllose solcher ‚guten’ Ratschläge hier entkräften. Die ‚Schlaumeier’ werden immer mehr – da muss irgendwo ein Nest sein. Auch das Internet ist voll davon. Die ‚besten’ Tipps – am besten noch gegen Bezahlung – kommen zudem häufig von denen, die niemals Mobbing am eigenen Leibe erfahren haben. ‚Fachleute’ vom ‚runden Tisch’…
So viele Menschen, die alle ‚wissen’, wie das Opfer sich verhalten sollte. ‚Gute’ Ratschläge immer wieder, von ‚Experten’ (!) – und dennoch: das Problem nimmt zu! Rapide sogar! Merkwürdig! Sehr merkwürdig!
Als meine Mobber mit mir ‚fertig’ waren, habe ich gedacht: „Nun endlich habe ich begriffen, wie es einem einzigen ‚Hitler’ gelingen konnte, eine ganze Nation aufzuhetzen.“. Mein Leben lang hatte ich mich gefragt, wie so etwas geschehen konnte…
Ist ja schon so lange her.
Da kann man doch ruhig mal wieder ein bisschen ‚Krieg spielen’…
Aber das alles kann man ja einfach ignorieren, Schultern zuckend hinter sich lassen, die Täter anlächeln… – ganz einfach!
Das Einzige, das ich aus dieser ganzen Sache bisher gelernt habe:
- unbedingt ein Mobbing-Tagebuch führen, Beweise sammeln – was keine Garantie auf Hilfe bietet, aber in Einzelfällen eine Gegenwehr ermöglicht
- nicht zu lange mit einer Anzeige z. B. wegen Beleidigung, übler Nachrede, Verleumdung etc. etc. warten – sonst ist der Täter durch unsere Gesetze besser geschützt als das Opfer
- wenn irgend möglich, Hilfe von außen in Anspruch nehmen (!) – ohne Unterstützung ist das Opfer weitestgehend hilflos.
Zum Mobbing-Opfer kann jeder werden…
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